Sport-Zahnmedizin

Adopted by the FDI General Assembly September, 2016 in Poznań, Poland
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Kontext

Sport-Zahnmedizin ist der Bereich der Sportmedizin, der sich mit Prävention und Behandlung von Zahnverletzungen und Mundkrankheiten in Verbindung mit Sport und Training befasst. Amateursportler und junge Sportler unterliegen mehr Risiken von Mundverletzungen, da sie möglicherweise nicht richtig geschult und/oder betreut werden. Obwohl die Indikation eines angepassten Mundschutzes gestiegen ist und die Wirksamkeit der Verletzungsverhütung nachgewiesen wurde, ist es notwendig geworden, die Eigenschaften des Sports, die Altersgruppe, das ausgewählte Material, das Mundschutzdesign sowie die Nutzungsdauer näher zu spezifizieren. Heutige Erkenntnisse zeigen auch, dass Mundschutz mit der Zeit durch Nutzung und regelmäßige Wartung an Wirksamkeit verlieren kann.

Verletzungen, Knochenbrüche im Gesicht und Gehirnerschütterungen sollten besondere Aufmerksamkeit erhalten, da Schlagverletzungen im Sport mit einem beträchtlichen Maß an Energie erfolgen. Kopfballduelle mit Projektion des Körpers und nachfolgendem Kopf- und/oder Ellbogenkontakt verändern völlig den Impakt auf die Struktur des Gesichtsknochens. Gesichtsschutz oder maßgeschneiderte Masken aus wissenschaftlich belegtem Polstermaterial können erfolgreich verwendet werden und nach Bruchverletzungen angezeigt sein, um die Genesungszeit für den Sportler zu verkürzen. Maßgefertigter Mundschutz und Gesichtsschutz, der unter der Überwachung eines Zahnarztes hergestellt wird, sollte den vorgefertigten Mundschutzvorrichtungen aus dem Handel vorgezogen werden.

Es ist auch notwendig geworden, Sportler zu potenziell indirekten Dopingeffekten der vom Zahnarzt verschriebenen Medikamente, z. B. Opioide, zu sensibilisieren. Bestimmte, weitgehend in der Zahnmedizin verwendete Medikamente können sich in verbotene Dopingsubstanzen verwandeln. Zum Beispiel sind codeinhaltige Medikamente nicht von der World Anti-Doping Agency (WADA) verboten. Doch wenn sie in den Körper gelangen, werden diese Substanzen in Morphium umgewandelt, das verboten ist. Es gibt auch Substanzen im Körper, die nach Dekompensation durch funktionelle Verschlechterung Reaktionen hervorrufen und indirekt die Mundgesundheit des Sportlers beeinträchtigen können.

Manche Zahnprobleme wie nicht-kariöse Zahnhalsverletzungen oder Karies können auch durch zu viel Training, ungesunde Ernährung, parafunktionelle Belastung oder mangelnde Aufklärung zur Mundhygiene auftreten. Schwimmer sind durch das potenziell saure Umfeld im Wasser der dentalen Erosion besonders ausgesetzt.

Zusätzlich können Energydrinks und verwandte Produkte in flüssiger Form oder Ernährungszusätze durch ihren hohen Gehalt an freiem Zucker und säurehaltigen Zutaten bedeutende Komplikationen im Mundraum, einschließlich an Zahnhartgewebe und Dentalmaterial, verursachen. Es ist hervorzuheben, dass alle zuckerfreien Varianten von Sportgetränken und Energydrinks oft immer noch stark säurehaltig sind und deshalb auch dentale Erosion verursachen können. Alle Aspekte der Mundgesundheit und Allgemeingesundheit von Sportlern können ihre Leistung beeinträchtigen und sind zu berücksichtigen.

Anwendungsbereich

Diese Stellungnahme liefert Informationen über die globale Situation der SportZahnmedizin und die Rolle der Zahnärzte bei der Gesundheit von Sportlern.

Definitionen

Sport-Zahnmedizin ist der Bereich der Sportmedizin, der sich mit Prävention und Behandlung von Zahnverletzungen und Mundkrankheiten in Verbindung mit Sport und Training befasst.

Grundsätze

Diese Stellungnahme trägt zu den Zielen der FDI bei, die Mundgesundheit sowie die systemische und psychische Gesundheit von Sportlern zu verbessern sowie die Leistung und Sicherheit bei der Ausübung eines Sports zu erhöhen. Ferner ist die Anwesenheit von Zahnärzten in Hochleistungssportteams eine wichtige Maßnahme, um die Allgemeingesundheit der Sportler durch Mundgesundheitsprävention und - behandlung zu sichern.

Stellungnahme

Die FDI spricht folgende Empfehlungen aus:

  • Die Wichtigkeit von angepasstem Mundschutz, Aufprallschutzmaterial und deren Nutzungsdauer zu verstärken.
  • Präventivmaßnahmen zur Beibehaltung eines gesunden Mundgewebes zu fördern.
  • Die Indikation maßgefertigter Gesichtsmasken und Gesichtsschutzschilder einzuführen, die von Zahnärzten oder unter Aufsicht eines Angehörigen der zahnärztlichen Berufe hergestellt wurden.
  • Die Zahnärzte über den Metabolismus verschriebener Substanzen und deren potenziellen Konflikt mit den Vorschriften der WADA zu informieren.
  • Die Wichtigkeit der Mundgesundheit von Sportlern für ihre Leistung und das Auftreten von Mundverletzungen durch systemische Reaktionen nach Sportbedingungen hervorzuheben.
  • Auf die Wichtigkeit der Beziehung zwischen der Mundgesundheit und der Allgemeingesundheit von Sportlern nachdrücklich hinzuweisen.
  • Die Vorzüge einer gut ausgewogenen Ernährung für gute Mundgesundheit hervorzuheben.

Disclaimer

Die Informationen in dieser Stellungnahme basieren jeweils auf dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Sie können so ausgelegt werden, dass sie existierende kulturelle Sensibilitäten und sozioökonomische Zwänge widerspiegeln.

Literaturnachweise

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