Mundgesundheit und Lebensqualität

Adopted by the FDI General Assembly September, 2015 in Bangkok, Thailand
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Kontext

Die Mundgesundheit ist mit der Allgemeingesundheit und Lebensqualität (QoL) der Menschen eng verbunden, da sie die oralen Funktionen und sozialen Interaktionen beeinflusst. Zum Beispiel kann Zahnkaries zu Kauproblemen, Appetitverlust, Schlafstörungen und schlechten Ergebnissen in der Schule und am Arbeitsplatz führen. Die traditionellen Methoden zur Erhebung der Mundgesundheit und des Behandlungsbedarfs basieren hauptsächlich auf klinischen Indikatoren. Doch zeigen diese Indikatoren nicht unbedingt die funktionellen und psychosozialen Aspekte der Mundgesundheit an oder stimmen mit der eigenen Wahrnehmung und den Bedenken der Menschen über ihre Mundgesundheit überein. Basierend auf dem Grundprinzip der subjektiven Messungen der Mundgesundheit im weiteren Rahmen, wurden verschiedene robuste Messinstrumente entwickelt, wie zum Beispiel der Fragebogen „Mundgesundheitsbezogene Lebensqualität“ (OHRQoL), um zu erheben, in welchem Maße die Mundgesundheit das Verhalten und Funktionieren in der Gesellschaft des Einzelnen beeinträchtigt und um konventionelle klinische Erhebungen der Mundgesundheit zu ergänzen.

Studien haben gezeigt, dass die Auswirkungen von Munderkrankungen und Störungen auf die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität weltweit hoch sind. Derzeit wurde eine Anzahl von Messungen der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität für eine Vielfalt von Bevölkerungen in verschiedenen Ländern bestätigt und es ist jetzt wichtig, deren potenzielle Anwendungen in der klinischen Praxis zu erwägen.

Anwendungsbereich

Diese Stellungnahme behandelt die Auswirkungen von Mundgesundheitsproblemen auf die Lebensqualität sowie die nützlichen Erhebungen und deren Anwendungen in der Zahnarztpraxis. Sie betont die Einführung von Messungen der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität bei der Feststellung oralen Behandlungsbedarfs und Wirtschaftlichkeit sowie bei der Planung von Mundgesundheitsdienstleistungen und der Festlegung von Strategien.

Definitionen

Mundgesundheitsbezogene Lebensqualität wird definiert als „ein mehrdimensionales Konstrukt, das (unter anderem) den Komfort der Menschen beim Essen, Schlafen und bei sozialen Interaktionen, ihr Selbstwertgefühl und ihre Zufriedenheit in Bezug auf ihre Mundgesundheit widerspiegelt“ (US Department of Health and Human Services).

Grundsätze

Es gilt als erwiesen, dass Munderkrankungen negative Auswirkungen auf die oralen Funktionen, Selbstwertgefühl, allgemeines Wohlbefinden und soziale Aktivitäten haben. Das Ausmaß dieser Auswirkungen könnte durch Messungen der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität erfasst werden. Diese Messungen können angemessen in die zahnmedizinische Versorgung und globale Mundgesundheitspolitik integriert werden. Zahnmediziner spielen eine bedeutende Rolle bei der Verbesserung der Lebensqualität ihrer Patienten und der gesamten Bevölkerung.

Stellungnahme

Die FDI empfiehlt und erkennt Folgendes an:

  • Messungen der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität kombiniert mit klinischen und Verhaltensindikatoren sollten in die Bewertung der Mundgesundheitsbedürfnisse der Bevölkerungen integriert werden, um einen umfassenden und ganzheitlichen Ansatz für die Planung von zahnmedizinischer Versorgung zu bieten.
  • Alle nationalen Umfragen zur Mundgesundheit sollten eine validierte Messung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität mit einschließen und so ein Profil der Einflüsse von Munderkrankungen auf das tägliche Leben der Menschen vermitteln.
  • Messungen der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität liefern wichtige Erkenntnisse zur Bestimmung der Wirtschaftlichkeit von Zahnbehandlungen und öffentlichen Gesundheitsmaßnahmen.
  • Messungen der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität sind beim Eintreten für eine Mundgesundheitspolitik unerlässlich und können zur Einrichtung strategischer Ziele zur Verbesserung der globalen Mundgesundheit eingesetzt werden.
  • Nationale Zahnärzteverbände spielen eine bedeutende Rolle, indem sie sich für alle diese Empfehlungen einsetzen.

Literaturnachweise

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Public Health Committee

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