Mundgesundheit und die sozialen Gesundheitsdeterminanten

Adopted by the FDI General Assembly August, 2013 in Istanbul, Turkey
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Einleitung

Zu den aktuellen Zielen der einzelstaatlichen Public Health-Politik gehört die Lösung des Problems der gesundheitlichen Ungleichheiten und der sozialen Gesundheitsdeterminanten (SDH). Damit greift diese Politik die Ergebnisse von Berichten der WHO-Kommission für soziale Determinanten von Gesundheit (CSDH) sowie die Ergebnisse der Konferenz von Rio zu diesem Thema auf. SDH sind die strukturellen Determinanten und Bedingungen des täglichen Lebens, die verantwortlich sind für einen großen Teil der gesundheitlichen Ungleichheiten zwischen Ländern und innerhalb von Ländern, dazu zählen 1) soziales und physisches Umfeld sowie individuelle Verhaltensweisen und Genetik; und 2) das Gesundheitssystem. Die Determinanten für Gesundheit und gesundheitliche Ungleichheiten - die „Ursachen der Ursachen“ - sind in sozialen Verhaltensmustern begründet.

Da die Determinanten von Oralerkrankungen, z. B. ungesunde Ernährung wie übermäßiger Zuckerverbrauch, Tabakkonsum und Alkoholmissbrauch auch bei der Entstehung anderer nichtinfektiöser Krankheiten (NCDs) eine Rolle spielen, sollte die zahnmedizinische Profession an einer Politik zur Prävention und Kontrolle der Determinanten von NCDs mitwirken.

Gesundheitliche Ungleichheiten und die Zunahme von Munderkrankungen

Es gibt weltweit signifikante Ungleichheiten bei der Mundgesundheit. Darüber hinaus zeigt die Zunahme von Dentalkaries und parodontalen Erkrankungen mit zunehmendem Alter, dass die Ursachen für diese Erkrankungen nicht unter Kontrolle sind. Die Mundgesundheitspolitik hat deshalb die dringende Aufgabe, einen stärkeren Schwerpunkt auf die translationale Forschung zu legen und Public Health-Strategien zu intensivieren, die sich mit den „Ursachen der Ursachen“ befassen und gemeinsame Risikofaktoren ansprechen.

Der gemeinsame Risikofaktorenansatz

Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt für die Entwicklung eines neuen Modells für die Förderung der Mundgesundheit. Das neue Modell erkennt an, dass die Verhaltensweisen, die zu den am weitesten verbreiteten nichtinfektiösen Krankheiten (NCDs) wie Diabetes, Herzerkrankungen, bestimmten Krebsarten und Atemwegserkrankungen führen, ebenfalls einen erheblichen Anteil am Entstehen von Oralerkrankungen haben. Der Common Risk Factor Approach (CRFA) zielt darauf ab, Risikofaktoren zu verringern, die für eine Reihe von NCDs identisch sind.

Auswirkungen auf die FDI-Politik

  1. Stärkere Berücksichtigung der Bedeutung psychosozialer Determinanten für ein die Mundgesundheit bestimmendes Verhalten und für die Inanspruchnahme medizinischer Versorgung in der Bevölkerung und besonders bei bestimmten benachteiligten Gruppen.
  2. Zusammenarbeit mit wichtigen Partnern, besonders der WHO und der International Association for Dental Research (IADR), um eine integrierte Strategie zur globalen Verringerung der Ungleichheit der Mundgesundheit zu entwickeln.
  3. Hinweis auf Ungleichheiten der Mundgesundheit in der öffentlichen Debatte sowie Anwendung des Grundsatzes des proportionalen Universalismus mit dem besonderen Schwerpunkt der Verbesserung der Gesundheit benachteiligter Bevölkerungsgruppen.
  4. Befürwortung der Einbeziehung der Mundgesundheit in alle politischen Felder entsprechend der Erklärung von Adelaide zu Gesundheit in allen Politikbereichen. Die zahnmedizinische Profession sollte sich mit Führungskräften und politischen Entscheidungsträgern von Regierungen und NGOs auf lokaler, regionaler, nationaler und globaler Ebene dafür einsetzen.
  5. Übernahme des übergreifenden Gemeinsamen Risikofaktorenansatzes und Aufbau von Kontakten im Bereich der Allgemeingesundheit einschließlich Kindergesundheit und Erstversorgung, um aus den Erfahrungen anderer zu lernen, Ideen und Denkansätze auszutauschen, Unterstützung aus anderen Bereichen zu erhalten, Lobbykapazitäten auszubauen und gemeinsame Themen anzusprechen, um Gesundheitsbedingungen allgemein und die gesundheitliche Chancengleichheit zu verbessern.
  6. Aufforderung an die nationalen Verbände (NDA), das Präventionswissen in die Praxis umzusetzen und weitere translationale Forschungen anzuregen.
  7. Wie in der „FDI Vision 2020“ empfohlen, sollten sich die Zahnärzte in der Public Health Policy als Förderer der Allgemein- und Mundgesundheit engagieren.
  8. Die wichtigste Priorität bei Maßnahmen zur Verbesserung der Mundgesundheit sollte die gemeinsame Unterstützung von Politik und Forschung bei der Thematisierung der wichtigsten Determinanten für Munderkrankungen sein, darunter übermäßiger Zuckerverbrauch, Tabakkonsum und Alkoholmissbrauch, mangelhafte Hygiene, Stress sowie sozio-ökonomische Ungleichheiten.
  9. Die Ausbildung von Spezialisten im Bereich der Dental Public Health sollte ebenfalls als Themen Kompetenzen im Bereich der sozialen Determinanten, Gesundheitsplanung und Änderung von Verhaltensmustern beinhalten.

Literaturnachweise

  1. Kommission für soziale Determinanten von Gesundheit (CSDH). Genf, 2008.
  2. Politische Erklärung von Rio über die sozialen Determinanten von Gesundheit, Rio de Janeiro, Brasilien, 21. Oktober, 2011.
  3. Politische Erklärung der Sondersitzung der Generalversammlung zur Resolution über die Prävention und Kontrolle nichtinfektiöser Krankheiten. Resolution A/66/L1, Vereinte Nationen, New York, 2011.
Public Health Committee

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