Mundgesundheit durch Fluorid

Adopted by the FDI General Assembly November, 2000 in Paris, France
Revised August, 2017 in Madrid, Spain
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Kontext

Trotz aller bisherigen Bemühungen bleibt Zahnkaries, der Kinder, Erwachsene und ältere Menschen befällt, immer noch die häufigste chronische Erkrankung weltweit und stellt ein großes globales Problem für die öffentliche Gesundheit dar.1 Karies kann Menschen beim Sprechen, Lächeln, Riechen, Schmecken, Berühren, Kauen und Schlucken beeinträchtigen und sie daran hindern, selbstbewusst und ohne Schmerzen oder Beschwerden verschiedene Gefühle mit dem Gesicht auszudrücken.2 Zahnkaries kann auch das Risiko bestimmter systemischer Erkrankungen verstärken. Deshalb ist die Beibehaltung einer guten Mundgesundheit zur Sicherung der Allgemeingesundheit und des Wohlbefindens unerlässlich.2

Es gibt viele soziale Gesundheitsfaktoren, die zu Ungleichheiten in der Mundgesundheit beitragen, die für wachsende Prävalenz und Schwere von Zahnkaries in benachteiligten Bevölkerungsgruppen verantwortlich sind.3 Karies kann durch die Ergreifung folgender evidenzbasierter Maßnahmen verhindert oder in ihrem nicht-kavitierten Anfangsstadium am Fortschreiten gehindert oder behandelt werden: Vermeidung ungesunder Ernährung wie zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke, insbesondere mit Gehalt an freien Zuckern, sowie Einführung guter Mundhygienegewohnheiten. Dazu gehören regelmäßige Entfernung des oralen Biofilms von der Zahnoberfläche und die angemessene Verwendung von Fluoridzahnpasta.

Fluorid-Ionen in niedrigen Konzentrationen auf der Zahnoberfläche sind nötig, um eine Demineralisierung zu vermeiden, zu verlangsamen oder zu stoppen und um die Remineralisierung des Zahngewebes zu verstärken.4,5

Anwendungsbereich

Es gibt mehrere kostengünstige Möglichkeiten, um Fluorid der Bevölkerung zugänglich zu machen. Dies kann und sollte je nach den regionalen Gegebenheiten und der Gesetzgebung des jeweiligen Landes erfolgen.

Fluoride können in optimalen präventiven Mengen natürlich im Trinkwasser vorhanden sein oder über bevölkerungsbasierte Maßnahmen der Gesundheitsbehörden der Trinkwasserversorgung hinzugefügt werden. Manche Trinkwassersysteme und Brunnen haben einen Gehalt an natürlichem Fluorid, der über den empfohlenen Werten liegt. Hier sollte eine Entfluoridierung oder eine alternative Trinkwasserversorgung empfohlen werden. Trinkwasserfluoridierung ist die wirkungsvollste, kostengünstigste, sicherste und angemessenste Art, kariösen Läsionen auf der Gemeinschaftsebene vorzubeugen, diese zu kontrollieren oder zu behandeln. Alternativ können Fluoride auch in angemessenen Konzentrationen und Dosierungen dem Speisesalz oder der Milch hinzugefügt werden.4

Auf individueller Ebene haben sich bei der täglichen Mundpflege mit Fluorid angereicherte Zahnpasta, Mundwasser, Zahngele und/oder Zahnlacke zur Vorbeugung und rechtzeitigen Behandlung von Initialkaries bewährt, wenn sie im empfohlenen Alter und in den empfohlenen Mengen angewendet werden, wobei die länderspezifischen Leitlinien zu berücksichtigen sind.4–6

Definitionen

Die Rolle von Fluorid in der Mundgesundheit
Die präventive Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit von fluoridangereicherten Produkten wurden bei der Verringerung und Hinauszögerung der Prävalenz und Schwere von Zahnkaries nachgewiesen.3 Es wurde klinisch gezeigt, dass Fluorid bei der Behandlung nicht-kavitierter Kariesläsionen am Zahnschmelz sowie bei kavitierter Karies wie Wurzelläsionen therapeutische Wirkung zeigt. Diese kürzlich wieder entdeckte Eigenschaft von Fluoriden, immer in topischer Anwendung, verstärkt die Wichtigkeit deren Anwendung zusammen mit Zahnsteinentfernung bei der Kariesbekämpfung.

Grundsätze

Die FDI bittet alle Länder dringend anzuerkennen, dass ein universeller Zugang zu angemessener und umsichtiger Verwendung von Fluoriden zur Erhaltung der Mundgesundheit zum Grundrecht des Menschen auf Gesundheit gehört.

Stellungnahme

Die FDI befürwortet die Verwendung von Fluorid in der richtigen Konzentration und Dosierung bei der Behandlung von Zahnkaries, der Vorbeugung und/oder Behandlung von frühen Läsionen bei Kindern, Erwachsenen, insbesondere älteren Menschen, und ruft zur Umsetzung folgender Politiken auf:

  • Der gesamten Bevölkerung Maßnahmen der öffentlichen Gesundheit zur Verfügung stellen, die einen universellen Zugang zu kostengünstigem Fluorid in wirksamen Konzentrationen zur Vorbeugung von Zahnkaries sicherstellen und die Mundgesundheit fördern.
  • Bestgeeignete Maßnahmen ergreifen, um Informationen über die Vorteile von Fluorid als Vorbeugungsmittel in Gesundheitsförderungsprogrammen und -strategien zu verbreiten.
  • Informationen über die Bedeutung von Fluorid bei der Behandlung nicht-kavitierter kariöser Läsionen verbreiten.
  • Regierungen ermuntern, Steuern und Gebühren auf Fluorid-Produkte im Sinne einer besseren Mundgesundheit zu reduzieren oder abzuschaffen.
  • Die Kapazitäten der nationalen Lebensmittelämter (FDA) für eine bessere Überwachung der Qualitätsnormen von Zahnpasta gemäß ISO 11609:2917 sowie Mundspüllösungen gemäß ISO 16408:2015 verstärken.

Disclaimer

Die Informationen in dieser Stellungnahme basieren jeweils auf dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Sie können so ausgelegt werden, dass sie existierende kulturelle Sensibilitäten und sozioökonomische Zwänge widerspiegeln.

Literaturnachweise

  1. Hse K. The Challenge of Oral Disease-A call for global action. Oral Health Atlas 2nd Ed Geneva FDI World Dent Fed. 2015;8–11.
  2. Glick M, Williams DM, Kleinman DV, Vujicic M, Watt RG, Weyant RJ. A new definition for oral health developed by the FDI World Dental Federation opens the door to a universal definition of oral health. J Public Health Dent. 2017;77(1):3–5.
  3. World Health Organization. WHO | What are social determinants of health?. 2012 (http://www.who.int/social_determinants/sdh_definition/en/, accessed 1 September 2017).
  4. O Mullane DM, Baez RJ, Jones S, Lennon MA, Petersen PE, Rugg-Gunn AJ, et al. Fluoride and oral health. Community Dent Health. 2016;33(2):69–99.
  5. Lenzi TL, Montagner AF, Soares FZM, de Oliveira Rocha R. Are topical fluorides effective for treating incipient carious lesions?: A systematic review and meta-analysis. J Am Dent Assoc. 2016;147(2):84–91. e1.Sakuma S, Ikeda S, Miyazaki H, Kobayashi S. Fluoride mouth rinsing proficiency of Japanese preschool‐aged children. Int Dent J. 2004;54(3):126–30. 
Public Health Committee

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