Minimal-invasive Zahnheilkunde (MID) bei der Behandlung von Zahnkaries

Adopted by the FDI General Assembly October, 2002 in Vienna, Austria
Revised September, 2016 in Poznań, Poland
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Anwendungsbereichontext

Seit der Veröffentlichung 2002 der ersten Stellungnahme zu minimal-invasiver Zahnheilkunde hat sich das Verständnis weiter entwickelt und evidenzbasierte Ergebnisse neuer und existierender präventiver und restaurativer Behandlungen stehen zur Verfügung.

Anwendungsbereich

Visuell-taktile Detektionsinstrumente und elektronisch betriebene Geräte stehen zur Verfügung, um Kariesläsionen zu erkennen sowie das Kariesrisiko und die Kariesaktivität einzuschätzen1. Die Entwicklung und das Fortschreiten von Kariesläsionen können kontrolliert werden. Das Ergebnis der Beurteilung der Kariesaktivität, zusammen mit der Vorhersagekraft von validierten Instrumenten zur Beurteilung des Kariesrisikos, werden Zahnärzte bei ihrer Entscheidung zu den evidenzbasierten Maßnahmen der Kariesbekämpfung und maßgeschneiderten Nachbehandlungen unterstützen.

Der Demineralisierungsprozess der Zahnkaries kann vom Patienten durch Reduzierung der Menge und Häufigkeit der Zuckereinnahme in der Ernährung sowie zweimal tägliche Entfernung des Biofilms mit einer fluoridhaltigen Zahncreme weitgehend aufgehalten werden. Wissenschaftlich abgesicherte Maßnahmen zur Kariesprävention schließen Fluorid in Wasser, Gel, Lack und Zahncreme sowie die Versiegelungen der Grübchen und Fissuren mit ein. Einige kürzlich entwickelte Behandlungen wie Kunstharzinfiltration und Zahncreme mit CPP-ACP-Komplex sind vielversprechend2.

Minimal-invasive Eingriffe beschränken sich auf die Entfernung von brüchigem Zahnschmelz und weichem Dentin, was die Größe der Kavität verringert. Die Versiegelung einer so behandelten Kavität mit einem hochwertigen adhäsivem Material wird das Leben des Zahns verlängern3. Erkenntnisse haben gezeigt, dass der langfristige Erhalt von reparierten defekten Restaurationen genauso gut ist wie der von ersetzten defekten Restaurationen. Der Ersatz wird deshalb in vielen Fällen als Überbehandlung angesehen, während die Reparatur als angemessener minimalinvasiver Eingriff gilt2,4.

Definitionen

Minimal-invasive Zahnheilkunde ist ein Konzept der Zahnkariesbekämpfung, mit dem Ziel, remineralisierbare und gesunde Zahnsubstanz am Leben zu erhalten und die Zähne lebenslang zu erhalten. Zahnsubstanz sollte nicht unnötig entfernt werden. Die wichtigsten Bestandteile der minimal-invasiven Zahnheilkunde umfassen:

  1. Frühentdeckung der Kariesläsion und Beurteilung von Kariesrisiko und Kariesaktivität;
  2. Remineralisierung von demineralisiertem Zahnschmelz und Dentin;
  3. optimale Maßnahmen zur Erhaltung gesunder Zähne;
  4. maßgeschneiderte Nachkontrollen;
  5. minimal-invasive Eingriffe, um Zahnerhalt zu garantieren;
  6. Reparatur defekter Restaurationen anstelle von Ersatz1.

Grundsätze

Ziel der minimal-invasiven Zahnheilkunde ist es, die Zahnstruktur so gesund wie möglich und die Zähne lebenslang funktionsfähig zu halten. Dies ist umso wichtiger, als die Lebenserwartung ständig ansteigt. Die Menschen sollten in der Lage sein, auch im hohen Alter von der vollen Funktion eines guten natürlichen Gebisses zu profitieren5-8.

Stellungnahme

Die FDI unterstützt minimal-invasive Zahnheilkunde (MID) als aktuelle Bekämpfung der Zahnkaries.

Suchwörter

Minimal-invasive Zahnbehandlung, Zahnkaries, Kariesprävention, Restauration, Kariesbeurteilung.

Disclaimer

Die Informationen in dieser Stellungnahme basieren jeweils auf dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Sie können so ausgelegt werden, dass sie existierende kulturelle Sensibilitäten und sozioökonomische Zwänge widerspiegeln.


Literaturnachweise

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  • Schwendicke F, Frencken JE, Bjørndal L, Maltz M, Manton DJ, Ricketts D, Van Landuyt K, Banderjee A, Campus G, Doméjean S, Fontana M, Leal S, Lo E, Machiulskiene V, Schulte A, Splieth C, Zandona AF, Innes NPT. Managing carious lesions: Consensus recommendations on carious tissue removal. Adv Dent Res. 2016; 28(2):58-67.
  • Fernández E, Martín J, Vildósola P, Oliveira Junior OB, Gordan V, Mjor I, Bersezio C, Estay J, de Andrade MF, Moncada G. Can repair increase the longevity of composite resins? Results of a 10-year clinical trial. J Dent. 2015 Feb;43(2):279-86.
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Public Health Committee

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