Leitlinien für den Umgang mit Quecksilber

Adopted by the FDI General Assembly October, 1998 in Barcelona, Spain
Revised October, 2007 in Dubai, United Arab Emirates
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Einleitung

Die FDI-Stellungnahme über den sicheren Umgang mit Quecksilber beinhaltet Empfehlungen für die Arbeit mit Quecksilber in Kapseln und mit losem Quecksilber. Die Verwendung von Quecksilber/Legierungen ist die bevorzugte Technik. Empfehlungen, die ausschließlich für loses Quecksilber gelten, sind in Zahnarztpraxen nicht anwendbar, in denen ausschließlich Quecksilber in Kapseln verwendet wird.

  1. Das Personal muss die wichtigsten Verhaltensmaßregeln bei einer potenziellen Belastung durch Quecksilber kennen:
    • direkten Hautkontakt mit Quecksilber oder frisch angemischtem Dentalamalgam vermeiden
    • Belastungen durch folgende potenzielle Quecksilbersdampfquellen vermeiden:
      • verschüttetes Quecksilber
      • fehlerhaft arbeitende Amalgamiergeräte
      • undichte Kapseln
      • fehlerhaft arbeitende Quecksilberspender
      • Triturieren
      • Legen und Verdichten der Amalgamfüllung
      • Polieren und Entfernen der Amalgamfüllung
      • Quecksilberfreisetzung von kontaminierten Instrumenten
      • offene Aufbewahrung von Amalgamabfällen oder gebrauchten Kapseln
  2. Das gesamte Personal, das mit Quecksilber und Dentalamalgam in Berührung kommt, ist entsprechend zu schulen und auf die potenziellen Gefahren von Quecksilberdampf und die Beachtung der Vorschriften für den Umgang mit Quecksilber hinzuweisen.
  3. Praxisräume sind mit undurchlässigen, pflegeleichten Böden wie z. B. fugenlosen, an den Wänden hochgezogenen Bodenbelägen auszustatten.
  4. Die Arbeit in der Zahnarztpraxis soll in gut belüfteten Räumen mit ausreichender Frischluftzufuhr und einer Absauganlage nach außen erfolgen. In klimatisierten Praxen sind die Filter der Klimaanlage in regelmäßigen Abständen auszuwechseln.
  5. Nach Möglichkeit ist in Kapseln abgefülltes Amalgam zu verwenden, damit:
    • die Gefahr des Verschüttens größerer Mengen Quecksilber vermieden wird
    • der Quecksilberspender als potenzielle Quelle von Quecksilberdampf ausgeschlossen werden kann
  6. Nur Amalgamiergeräte mit vollständig geschlossener Mechanik verwenden. Das Gerät sollte den Anforderungen der ISO-Norm 7488 entsprechen.
  7. Einwegkapseln sollten nach Gebrauch möglichst wieder verschlossen, in einem geschlossenen Behälter aufbewahrt und zur Rückgewinnung des Quecksilbers an eine Sammelstelle gegeben werden.
  8. Beim Entfernen und Legen von Amalgam sollten Hochleistungsabsauganlagen (ausgerüstet mit Abscheidern oder Filtern) verwendet werden.
  9. Amalgamkontaminierte Instrumente sollten vor der Sterilisation oder der Hitzedesinfektion gereinigt werden.
  10. Das Erhitzen von Quecksilber und Amalgam sowie von Geräten für die Verarbeitung von Amalgam ist zu vermeiden.
  11. Beim Umgang mit Amalgamabfällen ist nach den folgenden Best Management-Praktiken zu verfahren:
    • Folgendes Material ist an eine Sammelstelle für Amalgamabfälle zu geben, die daraus das Quecksilber umweltgerecht recycelt:
      • gebrauchte Einwegkapseln
      • Amalgamabfall, der nicht mit Patientengewebe kontaminiert ist
      • Amalgamabfall, der mit Patientengewebe kontaminiert ist, zum Beispiel Amalgamreste nach dem Entfernen von Füllungen
      • Abscheidefilter mit Amalgamabfällen
      • Vakuumpumpenfilter oder andere amalgamabscheidende Vorrichtungen, wenn sie Amalgam enthalten
      • Extrahierte Zähne, die Amalgamfüllungen enthalten (falls der Recyclingbetrieb die Desinfektion extrahierter Zähne verlangt, sind diese durch Eintauchen in ein Desinfektionsmittel vor dem gemeinsamen Recycling mit Abfall aus dem Abscheider zu desinfizieren)
    • Amalgamabfälle nicht in Behälter für Bioabfälle, infektiöse Abfälle oder normale Abfälle geben.
    • Reinigungsmittel für Absaugleitungen verwenden, die Amalgam nach Möglichkeit nicht lösen (zum Beispiel chlorfreie Reinigungsmittel).
    • Verwenden Sie keine Bleichmittel oder chlorhaltige Reinigungsmittel zum Spülen von Abwasserleitungen.
    • UVerwenden Sie aus Umweltschutzgründen einen Amalgamabscheider, der den Umweltvorgaben der Internationalen Norm ISO 11143 entspricht.
  12. Verschüttetes Quecksilber unabhängig von der verschütteten Menge wie folgt entfernen:
    • Nehmen Sie Quecksilbertropfen mit Hilfe eines Klebstreifens oder einer Subkutanspritze auf
    • Geringe Quecksilbermengen (weniger als 10 Gramm) durch Hinzufügen von Legierungspulver zu Amalgam triturieren und dieses dann in den dafür vorgesehenen Sammelbehälter geben
    • Bei größeren Mengen (10 Gramm und mehr) verwenden Sie ein im Handel erhältliches Quecksilberreinigungskit
    • Niemals einen Staubsauger verwenden
    • Keine Haushaltsreinigungsmittel verwenden
    • Quecksilber darf grundsätzlich nicht in den Ausguss gelangen
    • Quecksilber nicht mit einem Besen oder Pinsel zusammenkehren
    • Personen, an deren Schuhen Quecksilber anhaften könnte, dürfen sich in dem betroffenen Bereich erst bewegen bzw. diesen Bereich erst verlassen, wenn das quecksilberkontaminierte Material entfernt worden ist.
  13. Es wird dringend davon abgeraten, loses Quecksilber zu verwenden und zu verarbeiten. Falls trotzdem mit losem Quecksilber gearbeitet wird, sind folgende Punkte zu beachten:
    • Menge des aufbewahrten Quecksilbers möglichst gering halten
    • Quecksilber in unzerbrechlichen, dicht verschlossenen Behältern aufbewahren
    • Behälter an einem gut belüfteten Ort und in ausreichender Entfernung von Wärmequellen aufbewahren
    • Geräte für die Verarbeitung von Quecksilber und Amalgam nur in Arbeitsbereichen benutzen, die so gestaltet sind, dass verschüttetes Quecksilber oder überschüssiges Amalgam problemlos eingegrenzt und entsorgt werden kann
    • Loses Quecksilber ist mit besonderer Vorsicht zu behandeln, um so die Gefahr des Verschüttens zu minimieren (Trichter zum Einfüllen des Quecksilbers in das Amalgamiergerät verwenden; Auffangschale mit Lippenrand unter den Quecksilberspender platzieren)
    • Nur solche Kapseln verwenden, die während der Amalgamierung verschlossen bleiben (Hinweis: Dies lässt sich durch Aufbringen eines Fixierpflasters auf die Nahtstelle der beiden Hälften der Kapsel und Durchführen einer Probemischung prüfen. Tritt Quecksilber aus, ist dies nach Abziehen des Fixierpflasters an einer schwarzen Linie im Bereich der Nahtstelle zu erkennen)
    • Sorgfältig mit dem Quecksilberspender umgehen
    • Geeignetes Mischungsverhältnis zwischen Legierung und Quecksilber wählen, damit vor dem Legen der Füllung möglichst nur minimale überschüssige Quecksilbermengen entfernt werden müssen
    • Quecksilberspender regelmäßig auf Dichtigkeit prüfen
    • Öffnung des Quecksilberspenders nach der Benutzung auf Quecksilberrückstände prüfen. Eventuell vorhandene Quecksilbertröpfchen wie in Punkt 12 beschrieben entfernen
    • Die Zahnarztpraxis möglichst einmal im Jahr oder nach dem Entfernen von verschüttetem Quecksilber auf Quecksilberdampf überprüfen.
Science Committee

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