Infektionskontrolle in der zahnärztlichen Praxis

Adopted by the FDI General Assembly September, 2009 in Singapore, Singapore
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Derzeitige epidemiologische Daten zeigen klar auf, dass das Risiko für Zahnmediziner, mit Krankheiten bei der Erbringung von zahnärztlicher Behandlung infiziert zu werden, minimiert wird, wenn empfohlene Maßnahmen zur Infektionskontrolle routinemäßig befolgt werden.

Ein Schlüsselelement der Infektionskontrolle ist das Konzept der Standard-Vorsichtsmaßnahmen als Mittel zur Reduzierung des Risikos der Krankheitsübertragung (z.B. HIV, Hepatitis-Viren und andere) bei einer Tätigkeit im Rahmen der Gesundheitsversorgung. Das Primärprinzip zur Untermauerung dieses Konzeptes ist die Überlegung, dass alle Patienten Infektionsträger sein können.

„Standard-Vorsichtsmassnahmen“

Der Weltverband der Zahnärzte (FDI) fordert alle Angehörigen der Mundgesundheitsberufe nachdrücklich auf, die Empfehlungen zur Standard-Infektionskontrolle zu befolgen, die – wo angezeigt – von lokalen bzw. regionalen Behörden und Gremien definiert wurden.

Allgemeine Maßnahmen

Zahnärzte und Praxisteam sind dazu verpflichtet, angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um sich selbst und ihre Patienten gegen hämatogene Infektionen zu schützen. Dazu gehören:

  • Besondere Vorsicht bei der Verwendung von scharfen Instrumenten und Nadeln, möglichst umgehende Entsorgung direkt nach der Benutzung. Es sind nach Möglichkeit Sicherheits-Injektionsnadeln und Sicherheits-Skalpelle zu benutzen. Es ist weiterhin die Verwendung von scharfen Instrumenten mit höherem Sicherheitsstandard zu erwägen, sobald diese zur Verfügung stehen;
  • Befolgung von akzeptierten und/oder empfohlenen Protokollen und Vorschriften der örtlichen Behörden zur Reinigung, Desinfektion und Sterilisation der benutzten Instrumente und der Behandlungseinrichtung;
  • Darauf achten, dass sterile Instrumente durch geeignete Barriereverpackungen vor Kontamination geschützt und bei Verwendung steril sind;
  • Falls möglich, Anwendung von Tracking- und Tracing-Systemen für die Sterilisation sowie Einsatz biologischer Indikatoren zur Überwachung;
  • Verwendung von Einmalinstrumenten, falls eine Sterilisation nicht möglich ist;
  • Befolgung der Vorschriften zur Sauberkeit und Desinfektion aller offenen Flächen im Arbeitsumfeld;
  • Befolgung der Desinfektionsvorschriften für Gegenstände, Prothesen, Abdrücke, Instrumente und andere Artikel, die das Dentallabor erhält oder selbst liefert, sowie der Vorschriften im Dentallabor selbst;
  • Benutzung von Einmal-Abdeckfolien für alle Dokumente, Absaugschläuche und die anderen Bereiche im Behandlungsfeld, jeweils vor jeder neuen Behandlung;
  • Vorsicht beim Umgang mit Biopsie-Proben. Sie sind in dichten Behältern aufzubewahren, die mit demWarnzeichen gegen Biogefährdung zu versehen sind.

Besondere Maßnahmen bei der klinischen Behandlung

  • Gründliches Händewaschen mit ph-neutraler Flüssigseife oder Verwendung eines alkoholhaltigen Handgels vor dem Anziehen und nach dem Ausziehen von Handschuhen.
  • Tragen von geeigneten Handschuhen und Mundschutz.
  • Vor der Behandlung des nächsten Patienten Handschuhe wechseln; Mundschutz wechseln, sobald er feucht ist.
  • Benutzung einer Schutzbrille mit Seitenschutz.
  • Tragen geeigneter medizinischer Schutzkleidung.

Impfung

Die FDI fordert die Angehörigen der Mundgesundheitsberufe, die ggf. Infektionsrisiken ausgesetzt sein können, nachdrücklich auf, sich impfen zu lassen, und zwar gemäß der Richtlinien der lokalen Behörden. Sie sollten sich auch gegen andere Krankheiten impfen lassen, wenn dies möglich ist.

Gefährdungsmöglichkeiten

Die FDI empfiehlt, dass alle Mitarbeiter im mundgesundheitlichen Team die Richtlinien und Informationen kennen sollten, die es für eine berufsbedingte Gefährdung beim Umgang mit hämatogenen Pathogenen gibt, und dass die Eigentümer zahnmedizinischer Kliniken Vorkehrungen am Arbeitsplatz treffen sollten, um ein adäquates und effizientes Vorgehen bei möglichen diesbezüglichen Vorfällen sicherzustellen.

Pflichtuntersuchung

Die FDI ist entschieden gegen gesetzliche Vorschriften zur Pflichtuntersuchung der Mitarbeiter des zahnärztlichen Teams, um ggf. einen hämatogenen Zustand zu ermitteln. Beschäftigte in der zahnärztlichen Praxis müssen jedoch bei sich selbst Zeichen und Symptome erkennen, die auf die Möglichkeit einer hämatogenen Krankheit und anderer Infektionskrankheiten hinweisen, und eine entsprechende Diagnose stellen lassen. Ein Zahnmediziner mit einer diagnostizierten hämatogenen Erkrankung sollte im Rahmen einer medizinischen Beratung klären, ob er seine Praxis weiterführen kann.

Übeweisung zur ärztlichen Untersuchung

Die FDI fordert alle Erbringer zahnmedizinischer Leistungen nachdrücklich auf, Anzeichen und Symptome von hämatogenen Erkrankungen und anderer Infektionskrankheiten bei ihren Patienten zu beachten. Patienten mit einer solchen Anamnese bzw. mit Symptomen auf mögliche Infektionen sollte nahegelegt werden, sich entsprechend untersuchen zu lassen. Ein derartiges beratendes Gespräch sollte unter Wahrung der Privatsphäre stattfinden und mit großem Einfühlungsvermögen geführt werden.

Patienteninformation und Vertrauliche Handhabung

Die FDI ist der Meinung, dass alle Patienten mit hämatogenen Infektionen im Rahmen ihrer Anamnese ihren Zustand offenlegen sollten. Der Erbringer von Gesundheitsleistungen muss Kenntnis haben von der kompletten Anamnese, um die adäquaten Entscheidungen über die bestmögliche Behandlung für den Patienten treffen zu können.

Die FDI fordert Zahnärzte und Praxisteams nachdrücklich auf, in Übereinstimmung mit den geltenden Gesetzen ein geeignetes Protokoll für den vertraulichen Umgang von Informationen über Patienten mit Erkrankungen zu befolgen. Allerdings sollte dies kein Hinderungsgrund für Zahnmediziner sein, Informationen über den medizinischen Zustand der Patienten an andere Personen des Gesundheitssektors in der gleichen Praxis weiterzuleiten, sofern dies durch lokale Vorkehrungen erlaubt ist und mit Einwilligung des Patienten stattfindet.

Die Patienten sollten über Maßnahmen zur Sicherung ihrer Privatsphäre unterrichtet werden.

Information und Aufklärung der Öffentlichkeit

Die FDI empfiehlt, dass lokale bzw. regionale Zahnärzteverbände die Öffentlichkeit aufklären sollten über die Effizienz von Standard-Vorsichtsmassnahmen sowie auch über das Nichtvorhandensein eines Gefahrenrisikos, hämatogene Erkrankungen bei der Erbringung der zahnärztlichen Versorgung zu bekommen, wenn empfohlene Infektionskontroll-Maßnahmen routinemäßig angewandt werden.

Berufliche Weiterbildung

Die FDI empfiehlt, dass alle Mitarbeiter des mundgesundheitlichen Teams immer auf dem Laufenden sind bzgl. Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten, die im klinischen Bereich übertragen werden können.

Die FDI empfiehlt die Erarbeitung und Aktualisierung lokaler und nationaler Aufklärungs- und Informationsprogramme für das zahnärztliche Team, die insbesondere Empfehlungen für Infektionskontrolle im Bereich der Gesundheitsversorgung, die Behandlung von Mund-und Allgemeinimplikationen von hämatogenen Erkrankungen und die Rolle der Ärzte bei der Behandlung ansprechen.

Die FDI empfiehlt, dass zahnärztliche Hochschullehrer im Rahmen der Curricula und der klinischen Fächer umfassend über aktuelle Infektionskontroll-Maßnahmen im Bereich der Gesundheitsversorgung informieren.

Inanspruchnahme der Zahnärztlichen Versorgung

Die FDI ist der Meinung, dass es nicht den ethischen Richtlinien entspricht, wenn für Patienten mit hämatogenen Infektionen mundgesundheitliche Behandlungsmaßnahmen nicht erbracht werden.


Literaturnachweise

  1. Centers for Disease Control and Prevention. Guidelines for Infection Control in Dental Health-Care Settings – 2003. December 19, 2003 / 52 (RR17);1-61. www.cdc.gov/OralHealth/infectioncontrol/guidelines/ (Accessed 3 August 2009)
  2. World Health Organization. Practical Guidelines for Infection Control in Health Care Facilities. 2004. South-East Asian Regional Organisation Regional Publication No. 41. www.searo.who.int/LinkFiles/Publications_PracticalguidelinSEAROpub-41.pdf. (Accessed 3 August 2009)
Dental Practice Committee

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