Dentalamalgam und das Minamata-Übereinkommen (Quecksilber)

Adopted by the FDI General Assembly September, 2014 in New Delhi, India
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Umfang

Die vorliegende FDI-Stellungnahme befasst sich mit Dentalamalgam für Zahnrestauration im Hinblick auf die besonderen Verfügungen zu einem schrittweisen Verzicht, die in dem 2013 Minamata-Übereinkommen (Quecksilber)1 enthalten sind.

Definitionen

Minamata Übereinkommen (Quecksilber): ein internationaler Vertrag über den Abbau, die Nutzung und den Handel mit Quecksilber.

Dentalamalgam: ein Produkt, das etwa 50 % Quecksilber enthält, das mit Silber, Kupfer und Zinn intermetallische Verbindungen eingeht.

Einführung

Zahnkaries ist nach wie vor eine der am weitesten verbreiteten Krankheiten der Welt, obwohl es bei der Kariesprävention beachtliche Fortschritte gegeben hat. Dentalamalgam wird für die Wiederherstellung kariös befallener Zähne häufig verwendet, da es leicht zu verarbeiten ist, geeignete mechanische und bakteriostatische Eigenschaften aufweist und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bietet. Amalgam ist seit über 150 Jahren im Gebrauch und hat von allen für die Reparatur kariöser Zähne verwendeten Materialien zur direkten Restauration eine der höchsten Lebenserwartungen. Obwohl in die Entwicklung alternativer dentaler Restaurationsmaterialien viel Forschungsarbeit investiert wurde, steht nach wie vor kein universell verwendbarer Ersatz zur Verfügung. Deshalb muss Dentalamalgam Zahnärzten als Behandlungsoption zur Verfügung stehen.

Das Minamata-Übereinkommen (Quecksilber) ist ein internationales Übereinkommen zum Schutz menschlicher Gesundheit und der Umwelt vor den Nebenwirkungen von Quecksilber. Die wichtigsten Punkte sind das Verbot neuer Quecksilberminen, die Befristung existierender Minen, Kontrollmaßnahmen für Luftemissionen und die internationale Regelierung des informellen Sektors des Goldkleinbergbaus.1 Das Übereinkommen ruft auch zu einem schrittweisen Vorgehen beim Verzicht auf Dentalamalgam auf (Anlage A, Teil II), durch eine größere Betonung, insbesondere von Prävention, Forschung nach neuen Dentalmaterialien und richtlinienkonformen Einsatz. Die FDI unterstützt die Verfügungen des Minamata-Übereinkommens (Quecksilber)2.

Stellungnahme

1. Sicherheit von Dentalamalgam

Die FDI wiederholt die wichtigsten Aussagen der WHO Konsens-Erklärung zu Dentalamalgam (PDF), die von der FDI-Generalversammlung 1997 verabschiedet wurden: “Laut aktuellem Kenntnisstand sind die derzeit vorhandenen Restaurationsmaterialien, einschließlich Dentalamalgam, als sicher und zuverlässig anzusehen.”3

Die offizielle Stellungnahme ist in der FDI-Stellungnahme 'Sicherheit von Dentalamalgam', enthalten, die von der FDI-Generalversammlung 2007 angenommen wurde.

2. Nebenwirkungen von Dentalamalgam

Mögliche Nebenwirkungen von Dentalamalgam sind in der FDI-Stellungnahme 'Mögliche lokale Nebenwirkungen von Amalgamrestaurationen' enthalten, die 2007 von der FDI-Generalversammlung angenommen wurde.

3. Schrittweiser Verzicht auf Dentalamalgam

Das Minamata-Übereinkommen ruft zu einem schrittweisen Verzicht auf Dentalamalgam auf, mit Vereinbarungen zur Überwachung der Fortschritte. Der schrittweise Verzicht wird einen reduzierten Einsatz von Dentalamalgam erfordern, gekoppelt mit folgenden Maßnahmen:

A. Die Bevölkerung für die Bedeutung der Mundgesundheit sowie die Verbindung zur allgemeinen Gesundheit sensibilisieren:

  • Durch Aufklärung das Verständnis fördern, dass Mundgesundheit ein integraler Teil der allgemeinen Gesundheit ist.
  • Die Zusammenarbeit zwischen Angehörigen der Gesundheitsberufe, Regierungen, zwischenstaatlichen Organisationen, nicht-staatlichen Organisationen sowie den Medien anregen und ein weit verbreitetes Verständnis dahingehend fördern, dass die meisten Munderkrankungen und deren Konsequenzen durch einfache Maßnahmen verhindert werden können.

B. Den Schwerpunkt verstärkt auf die drei grundlegenden Prinzipien der öffentlichen Gesundheit wie Bedarfsanalysen, Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung legen:

  • Für nationale Gesundheitspolitik und -programme eintreten, die die Förderung der Mundgesundheit sowie Präventivmaßnahmen auf Bevölkerungs-, Gemeinde-, individueller und professioneller Ebene vorsehen.
  • Organisierte Zusammenarbeit der Beteiligten auf allen Ebenen sowie die Anpassung von reproduzierbaren, zuverlässigen und erschwinglichen Methoden zur integrierten Prävention von Munderkrankungen als Teil der Prävention anderer chronischer, nicht-infektiöser Krankheiten fördern4.

C. Sicherstellen, dass die Gesundheit und die Umwelt durch sichere Behandlungsverfahren, effektives Abfallmanagement und sachgerechte Entsorgung von Restaurationsmaterialien seitens der Gesundheitsdienstleister geschützt werden (umweltfreundliches Lebenszyklusmanagement):

  • Berufsrisiko für Angehörige der Mundgesundheitsberufe
    Es besteht ein potenzielles Gesundheitsrisiko für Angehörige der Mundgesundheitsberufe durch Quecksilber-Exposition, wenn die Arbeitsbedingungen nicht ordnungsgemäß organisiert werden. Die Anwendung ordnungsgemäßer Quecksilberverarbeitungsrichtlinien und -verfahren in Zahnpraxen wird die Exposition deutlich reduzieren3.
    Empfehlungen zum Umgang mit und der Entsorgung von Dentalamalgam werden in der FDI-Stellungnahme 'Leitlinien für den Umgang mit Quecksilber' behandelt, die von der Generalversammlung 2007 angenommen wurde.
  • Umweltbelange
    Das in der Zahnbehandlung verwandte Quecksilber kann die Umwelt durch die Entsorgung von Abfallprodukten aus zahnärztlichen Praxen belasten. Es gibt Behälter, um Metallabfälle zu sammeln, die beim Legen und der Entfernung von Amalgamfüllungen auftreten. Es gibt auch geeignete Sammel- und Recyclingtechnologie, um die Quecksilberbelastung für die Umwelt, einschließlich der Umweltverschmutzung durch Krematorien durch den Einbau von Abgasfiltern, zu reduzieren3.
    Empfehlungen zur Entsorgung von Dentalamalgam sind ausführlich in der FDI-Stellungnahme 'Amalgamentsorgung' enthalten, die von der Generalversammlung 2009 angenommen wurde.

D. Sicherstellen, dass Zahnärzten sämtliche Techniken, Verfahren und Restaurationsmaterialien zur Verfügung stehen. Die FDI:

  • unterstützt das Konzept der Zusammenarbeit nationaler und zwischenstaatlicher Forschergruppen;
  • regt die Förderung der Forschung in der Zahnmedizin an;
  • fördert die Verwendung quecksilberfreier Füllungsmaterialien, sofern sie geeignet sind;
  • ermutigt Forschungsprogramme in allen mit der Zahnmedizin verwandten Wissenschaften;
  • ermutigt Wissenschaftler in Universitäten und Industrie, die Entwicklung und Standardisierung von hoch qualifizierten Ausrüstungen, Instrumenten, Materialien und Medikamenten voranzubringen;
  • ersucht nationale Zahnärztekammern und Gesundheitsbehörden dazu, Forschungsprogramme und -verfahren u unterstützen oder anzuregen, die diese Ziele fördern4.

E. Zusammenarbeit mit Angehörigen der Mundgesundheitsberufe, um eine umfassende globale Agenda zur Forschung nach Restaurationsmaterialien einzurichten, gemeinsam mit der Erweiterung der Präventivmaßnahmen. Die FDI:

  • ermutigt die enge Zusammenarbeit zwischen Angehörigen der Mundgesundheitsberufe und der Forschungsgemeinschaft;
  • ermutigt das Konzept der Zahnmedizinforschung in Zahnarztpraxen, um wissenschaftliche Erkenntnisse im Praxisumfeld anzuwenden und die Interessen der Wissenschaft für Fragen und Probleme im Rahmen der Zahnarztpraxis anzuregen;
  • ermutigt praktizierende Zahnärzte dazu, sich über die wissenschaftlichen Fortschritte auf dem Laufenden zu halten3.

Literaturnachweise

  1. http://www.mercuryconvention.org/Convention
  2. Global rechtsverbindliches Instrument über die Quecksilberverwendung, angenommen von der Generalversammlung am 31.08.2012
  3. Aus FDI-Stellungnahme WHO Konsenserklärung zum Thema Dentalamalgam (1997)
  4. Aus FDI-Stellungnahme Prävention oraler Erkrankungen (2008)
Science Committee

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